Im Oktober 1987 veröffentlichte Sting sein Album 'Nothing Like the Sun', und darin lag ein zartes Lied: 'An Englishman in New York'. Sein Subjekt war Quentin Crisp. 1906 in Sussex, England geboren, war Crisp im Alter von 71 Jahren nach Bowery in Manhattan gezogen und hatte ein neues Leben begonnen. Dieses Lied war Stings Tribut an die Gnade und Würde dieses außergewöhnlichen Mannes.

Als man ihn Fragte, Welches Verbrechen er Begangen Habe: 'Etwas Glamouröses, Gewaltfreies, Mit einem Hauch von Stil'
Als Quentin Crisp gefragt wurde, welches Verbrechen er begangen habe, antwortete er mit charakteristischem Witz: "Something glamorous, non-violent, with a dash of style." Dieser eine Satz fasste das Wesen von Crisps gesamter Existenz zusammen. Er war ein Schauspieler und Schriftsteller, der nie in die britische Nachkriegsgesellschaft passte. Sein Aussehen trotzte den Normen, sein Lebensstil trotzte den Konventionen. Mit 71 gab er alles auf und zog nach New York, um von vorne anzufangen.
Von Reggae zu Klassik zu Jazz
Als Sting 'An Englishman in New York' komponierte, begann er mit einem sanften Reggae-Rhythmus – ein entspanntes Gefühl wie das Spazieren durch die Straßen von New York. Aber in der Mitte kommt klassische Eleganz herein: Geigen und Bratschen umhüllen den Track. Dies repräsentiert Crisps britische Raffinesse. Dann verschiebt sich die Musik zurück zu zeitgenössischem Jazz.
Diese musikalische Struktur ist genialer. Es ist Sting, der die Stadt New York selbst in Klang übersetzt – die Musik, die man beim Spaziergang auf der Straße hören würde, fließend aus Klassik-Musikläden, Jazzlokalen, zeitgenössischem Radio. Alles in einer Komposition enthalten.

Das Versteckte 'God Save The Queen'
Beachten Sie: Im orchestralen Arrangement ist 'God Save The Queen' verborgen – nicht explizit, sondern subtil in der Molltonart innerhalb der Symphonie versteckt. Dieses musikalische Gerät drückt Crisps Nostalgie für das England aus, das er verlassen hat. Ein neues Leben in New York führend, aber England im Herzen tragend.
Branford Marsalis's Sopransaxophon — Ein Gespräch
Das Sopransaxophon von Branford Marsalis ist das ikonischste Element des Liedes. Es führt einen Dialog mit Stings Gesang, als würden zwei Seelen miteinander sprechen. Dies drückt das Treffen von Crisps britischer Eleganz und New Yorks freiem Geist aus – ein Dialog zwischen zwei Welten.
"Quentin Crisp ging seinen eigenen Weg. Niemand änderte ihn, und er versuchte nie, sich selbst zu ändern."
— Sting, Interview
David Finchers Musikvideo — Schwarz und Weiß
1988 schuf ein aufstrebender Regisseur namens David Fincher das Musikvideo für 'An Englishman in New York'. Schwarzweiß-Kinematographie, raffinierte Komposition, gezügelte Visualität. Es erfasste Quentin Crisps Eleganz perfekt. Das Video zeigt Sting, der durch die Straßen von New York wandert und verschiedene Figuren trifft. Im monochromen Rahmen entsteht eine kinematographische Atmosphäre. Dies wurde zur Grundlage für den Signatur-Fincher-Stil, der seine späteren Filme und Videos definieren würde.
Das Remix von 1990 und Chart-Erfolg
'An Englishman in New York' erreichte bei der Veröffentlichung #1 in Deutschland und Österreich. 1990 schaffte es ein Remix von Ben Liebrand auf #15 in Großbritannien. Dies bewies, dass das Lied über einen bloßen Hit hinauswuchs – es war zeitlos geworden. 2018 führte Sting es bei den Grammys mit Shaggy auf und demonstrierte, dass das Lied nach 30 Jahren immer noch Herzen auf der ganzen Welt rührt.